Flüchtlingshilfe aus sozialer Verantwortung

Drei Viertel der Ehrenamtlichen wollen weitermachen

4.8.2017 | Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe im Raum Andernach und Pellenz nahmen an einer Befragung teil, in der es darum ging, wie sie ihre Tätigkeit erleben, welche Herausforderungen und Schwierigkeiten sie sehen, und welche Wünsche und Erwartungen sie an ihr Engagement haben? 84 Bögen wurden verschickt, 43 kamen zurück. Über die Hälfte (51,2 %) der Angeschriebenen machte sich die Mühe, den 6-seitigen Fragenbogen auszufüllen. Ein herzliches Dankeschön dafür! Initiiert wurde die Aktion von Irmgard Hillesheim, Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe beim Caritasverband in Andernach. Unterstützt wurde sie durch Günter Leisch, Pastoralreferent des Dekanats Andernach-Bassenheim, dem Träger der Initiative. Hauptziele der Befragung waren eine grundsätzliche Bestandsaufnahme sowie das Herausfinden möglicher Bedarfe der Ehrenamtlichen, um adäquate Unterstützung anbieten zu können. Gleichzeitig wurde versucht, Hinweise zu finden, inwieweit die veränderte Situation — zunächst stand die Ankunft der Flüchtlinge im Mittelpunkt, jetzt geht es um Integration — sich auf die Arbeit und die Stimmung der Ehrenamt- lichen ausgewirkt haben könnte? Geschlecht und Beantwortung des Fragebogens In der Initiative im Raum Andernach und Pellenz sind 64,3 % der Aktiven weiblichen und 35,7 % männlichen Geschlechts. Den Fragebogen beantwortet haben 66,6 % der Männer und 42,6 % der Frauen. Alter der Befragten Der größte Teil der Rückmelder ist zwischen 51 und 78 Jahre alt. Nationalität und Berufstätigkeit Fast alle Antwortgeber sind deutscher Nationalität und überwiegend berufstätig. Hiervon gut die Hälfte in Vollzeitbeschäftigung. Diejenigen die keiner Berufstätigkeit nachgehen, sind ca. zur Hälfte berentet. Einige sind selbständig oder nicht erwerbs- tätig. Weiterhin aktiv ? Von den Berufstätigen möchten fast drei Viertel (72 %) weiterhin aktiv in der Flüchtlingshilfe bleiben. 12 % wollen sich nicht mehr engagieren, 12 % wissen es noch nicht. In welchen Bereichen ? Bei der Frage in welchen Bereichen sich die Ehrenamtlichen engagieren, waren Mehrfachnennungen möglich. Überwiegend wurde die Begleitung der Flüchtlinge zum Arzt / zu Behörden genannt sowie Unterstützung im Alltag / praktische Unter- stützung. Fast ebenso viele engagieren sich zudem im Offenen Treff der Initiative. Jeweils gut ein Viertel der Ehrenamtlichen bietet Fahrdienste, Sprachförderung und Freizeitangebote an. Auch Koordinationsaufgaben wurden oft genannt. Ansonsten wurden mehrfach die Hausaufgabenhilfe und die Arbeit in der Kleider- kammer sowie diverses Andere ein oder zweimal genannt. Zeitaufwand Zur Häufigkeit bzw. dem zeitlichen Aufwand ihrer Tätigkeit befragt, gaben 66 % der Ehrenamtlichen an, regelmäßig aktiv zu sein. Die meisten dieser regelmäßig Aktiven gaben an, zwischen 1 — 8 Stunden in der Woche tätig zu sein, d.h. sie sind durch- schnittlich ca. 3,5 Stunden in der Woche aktiv. — Es gab jedoch auch einige wenige „Ausreißer nach Oben“, die angaben, zwischen 20 — 30 Stunden wöchentlich in der Flüchtlingshilfe im Einsatz zu sein. Motivation Drei Viertel der Befragten haben sich aus eigenem Interesse / eigenem Antrieb der Aufgabe zugewandt. Was macht ihre Motivation aus? — Hier waren Mehrfach- nennungen möglich. — Wobei von über 80 % „soziales Verantwortungsgefühl“ genannt wurde. Gefolgt wurde diese Haltung von dem Wunsch, Bedürftigen zu helfen. Weiterhin bzw. weniger oft genannt wurden: „für gesellschaftliche Veränderungen eintreten“, „persönliche Betroffenheit“, „eigene Kenntnisse / Fähigkeiten erweitern“, „Kontakte knüpfen“, u.a.m. Zufriedenheit Die Ehrenamtlichen haben sich ihre Aufgabe gezielt ausgewählt und tun genau das, was ihrer Meinung nach zu ihnen passt. Sie gaben ganz überwiegend an, „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit ihrer Situation zu sein und zumeist positive Erfahrungen zu machen. Die Ziele, die die Ehrenamtlichen mit ihrer Tätigkeit verfolgen, sind sehr breit gefächert. Gut 25 % nennt die Integration von Flüchtlingen als Ziel. Die unterschiedlichsten Hilfestellungen grundsätzlicher oder spezieller Art wurden ebenfalls genannt. Unterstützungs- / Schulungsbedarf ? Gut zwei Drittel der Aktiven haben an keinem Schulungsangebot teilgenommen. Zeitmangel wurde als einer der Hauptgründe genannt. Es wurden auch keine konkreten Wünsche geäußert / keine Vorschläge gemacht, welche Schulungs- angebote hilfreich sein könnten. Mit Abstand wichtigster Ansprechpartner ist die Initiative „Fremde werden Freunde“ selbst. Knapp die Hälfte der Befragungsteilnehmer äußert, dass die Austausch- treffen und Gespräche mit anderen Ehrenamtlichen für sie wichtig sind. Interessant auch: Dank erfahren 77 % der Ehrenamtlichen laut eigenen Angaben im direkten Kontakt mit und von den Flüchtlingen. Anerkennungsformen seitens verbandlicher / kirchlicher Träger (kleine Geschenke, Grußkarten, Urkunden und Ehrungsveranstaltungen) werden als unwichtig angesehen oder abgelehnt. Im Hinblick auf Aufwandsentschädigungen ergibt sich kein homogenes Ergebnis: 1/3 findet sie sehr wichtig und wichtig, 1/3 unwichtig, die Übrigen befinden sich „dazwischen“.
64,3 %
27,39 %
35,7 %
23,78 %
Frauen insgesamt
Fragebogen
Männer insgesamt
Fragebogen
18,6 %
16,3 %
62,84 %
2,26 %
15 - 30 Jahre
31 - 50 Jahre
51 - 78 Jahre
keine Angabe
72 %
12 %
12 %
2 %
weiter aktiv bleiben
nicht mehr
weiß nicht
keine Angabe
41 %
39 %
28 %
26 %
26 %
21 %
Begleitung
Offener Treff / Café
Freizeitangebote
Sprachförderung
Freizeitangebote
Koordinationsaufgaben
66,6 % der Männer
42,6 % der Frauen
81 %
62 %
51%
35%
35%
33%
Verantwortungsgefühl
Bedürftigen helfen
etwas Sinnvolles tun
Freude / Spaß haben
religiöse Einstellung
politische Einstellung