Alterssimulator GERT sensibilisiert für

Lebenswelt alter Menschen

Künftige Pflegekräfte erspürten Leben mit Einschränkungen

6.1.2016 | Situationen des Alltags: Eine längere Schlange bildet sich an der Kasse des Supermarktes, während eine älterer Dame umständlich ihre Münzen zusam- mensucht. Ein Senior, der langsam und etwas hilflos die Treppe hinaufsteigt, stoppt die wuselnde Menge im Kaufhaus. In Andernach konnten jetzt junge Erwachsene aus den Kreisen Ahrweiler, Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz, die an der Qualifizierenden Vorbereitung zur Alten- & Krankenpflegehilfeausbildung des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr e.V. teilnehmen, einmal die Rolle wechseln, selbst in die Haut betagter Senioren schlüpfen und die Einschränkungen des Alters am eigenen Leib erspüren.   Auf die Fotos klicken, um sie zu vergrößern.  |  Fotos: E.T. Müller Der Alterssimulationsanzug GERT macht diese Zeitreise möglich. „Jetzt weiß ich, wie meine Schwester sich gefühlt hat“, meinte eine Teilnehmerin, nachdem sie mit der Grauen-Star Brille mühsam Geld sortiert hatte. Das Schreiben und Halten einer Tasse fällt dem Berichterstatter mit zitternder Hand, hervorgerufen durch kleine Stromschläge, sichtlich schwer. Wasser schwappt aus der Tasse. Die Muskeln folgen nicht den Befehlen des Gehirns. Genauso ergeht es Senioren, deren Feinmotorik gestört ist. Gut, dass man das Gerät wieder ablegen kann. Eine Teilnehmerin möchte der Sache voll auf den Grund gehen. Susanne Arenz und Alexander Hack legen ihr den 19 Kilo schweren Anzug an und die Schülerin tastet sich langsam ins Foyer und von dort vorsichtig Schritt für Schritt die Treppe hinauf. Tremor-Simulator und Brillenset, Überschuhe simulieren Gangunsicherheit, verstärkte Kniebandagen Gelenkversteifung und der Hemiparese-Simulator eine halbseitige Lähmung: Das Alter hält schon ein paar Überraschungen in der Wundertüte parat. Allerdings macht der Alterssimulator keine Angst vor dem Alter. Das ist für Susanne Arenz und Alexander Hack vom Beratungsteam Altenpflegeausbildung Region Rheinland-Pfalz und Saarland wichtig. „Mit GERT lernen junge Erwachsene, die in der Pflege tätig sein werden, anders mit alten Menschen umzugehen. Sie haben die Möglichkeit, sich in ihre Situation zu versetzen und wissen, wie es ihnen geht“, so Susanne Arenz. Am Ende waren die Teilnehmer der Qualifizierenden Vorbereitung zur Alten- und Krankenpflegehilfeausbildung begeistert. Dank GERT haben sie am eigenen Leib erfahren, wie wichtig gerade in ihrem Beruf Geduld und Rücksicht sind. Wie war das noch mit den Sandalen des Indianers? „Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.“ Bei GERT reichten schon ein paar Meter. Das Qualifizierungsjahr wird als Vorpraktikum für eine Ausbildung in der Alten- und Krankenpflege anerkannt. An der Maßnahme des Caritasverbands Rhein-Mosel-Ahr sind die Jobcenter Ahrweiler, Mayen-Koblenz und Stadt Koblenz, sowie viele Alten- und Pflegeeinrichtungen, Mobile Dienste und die VHS Andernach beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Land Rheinland-Pfalz – Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie – und vom Europäischen Sozialfonds (ESF).